Anaga-Landschaftspark: Reise in Teneriffas urzeitliches Paradies

Stellen Sie sich einen Ort vor, an dem die Zeit langsamer vergeht und die Natur ihre uralten Geheimnisse offenbart. Ein Land, in dem dichte, märchenhafte Lorbeerwälder in zerklüftete Berggipfel übergehen, während am Horizont der weite Atlantik schimmert. Das ist der Anaga-Landschaftspark (Parque Rural de Anaga) – eine wahre grüne Oase im Nordosten Teneriffas, die jeden Reisenden in ihren Bann zieht.

Anaga: Wo Berge auf Wald und Ozean treffen

Der Anaga-Park erstreckt sich im Nordosten Teneriffas – von der Inselhauptstadt Santa Cruz de Tenerife über die Gemeinde San Cristóbal de La Laguna bis hin zur wilden Nordküste. Er zählt zu den ältesten geologischen Formationen der Kanaren, die sich über Millionen Jahre gebildet haben, und bewahrt bis heute eine Landschaft von fast urzeitlichem Charakter. Im Jahr 2015 wurde Anaga von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt – ein Beweis für seine außergewöhnliche weltweite Bedeutung.

Was macht Anaga so einzigartig? Es ist die außergewöhnliche Kombination aus einem dramatischen Gebirgsmassiv mit tief eingeschnittenen Schluchten und Tälern und den uralten Lorbeerwäldern, die vor Ort als Monteverde (Laurisilva) bekannt sind. Diese Wälder sind lebendige Relikte aus der Zeit vor den Eiszeiten, als sie weite Teile Südeuropas bedeckten. Heute erzeugen mit Moos überzogene Bäume und verwobene Lianen das Gefühl, in eine unberührte, prähistorische Natur einzutreten. Die Luft ist kühl und feucht, und die allgegenwärtigen Nebel verleihen Anaga eine geheimnisvolle, verzauberte Atmosphäre.

Vor Millionen von Jahren bedeckten üppige subtropische Wälder wie diese große Teile Südeuropas und Nordafrikas. Mit dem Einsetzen der Eiszeiten veränderte sich das Klima und ließ die meisten dieser Ökosysteme verschwinden – mit Ausnahme einiger Rückzugsräume wie der Kanarischen Inseln, Madeiras und der Azoren. Ihr Fortbestehen hier verdanken sie einem einzigartigen Mikroklima, das durch Topografie und Lage Anagas entsteht: Feuchte Passatwinde vom Atlantik bringen dichte Wolken und Nebel, die an den Graten hängen bleiben und durch die Schluchten ziehen. Diese stetige Feuchtigkeit ernährt die Lorbeerwälder, und das Fehlen extremer Temperaturschwankungen sowie austrocknender Winde haben ihr Überdauern in nahezu unveränderter Form ermöglicht. Dank dieser natürlichen „Nebelbewässerung“ sind die Lorbeerwälder Anagas fast immer in Dunst gehüllt – was ihren mystischen, anderweltlichen Charakter verstärkt.

Von den hohen Rücken Anagas aus, wenn sich die Wolken öffnen, eröffnen sich atemberaubende Ausblicke: auf den Atlantik, auf schroffe, vulkanische Klippen und auf versteckte, wilde Strände. Die Verbindung aus feuchtem subtropischem Wald und dramatischer Vulkanlandschaft macht Anaga zu einem Ort, an dem die Natur ihre ganze Vielfalt und Erhabenheit zeigt.

Anaga erkunden: Aktivitäten und versteckte Juwelen

Der Anaga-Landschaftspark bietet unzählige Möglichkeiten für Outdoor-Abenteuer und tiefe Einblicke in sein einzigartiges Ökosystem. Ob gemütliche Spaziergänge oder anspruchsvolle Bergtouren – hier findet jeder Reisetyp die passende Route.

Die besten Wanderungen im Anaga

Das pulsierende Herz des Parks ist zweifellos sein Netz aus Wanderwegen. Von kurzen, familienfreundlichen Runden bis zu fordernden Touren, die Kondition und Erfahrung verlangen – Wandern im Anaga ist die beste Art, die Naturwunder des Parks zu entdecken.

  • Sendero de los Sentidos (Pfad der Sinne): Wahrscheinlich der beliebteste und zugänglichste Weg im Anaga – ideal für Familien mit Kindern oder alle, die den Lorbeerwald ohne großen Aufwand erleben möchten. Der „Pfad der Sinne“ besteht aus mehreren kurzen Schleifen (ca. 300 m bis 1,2 km) mit Infotafeln und interaktiven Elementen, die dazu einladen, alle Sinne zu nutzen: Moos berühren, Waldluft einatmen, dem Vogelgesang lauschen. Start direkt am Besucherzentrum Cruz del Carmen (Centro de Visitantes de Cruz del Carmen); dort gibt es kostenlose Parkplätze und WCs. Hinweis: Die Nachfrage übersteigt oft die Zahl der Parkplätze – früh anreisen oder Wartezeit einplanen. Gehzeit: 10–60 Minuten (je nach Runde).
  • Bosque de los Enigmas (Wald der Rätsel): Nur wenige Minuten vom Besucherzentrum entfernt führt diese weniger bekannte, aber ebenso schöne Route tiefer in die Laurisilva. Sie bietet eine ruhigere, mystische Stimmung mit moosbedeckten Bäumen und ungewöhnlichen Naturformationen. Länge: ca. 5 km, 1,5–2 Stunden. Schwierigkeit: leicht bis mittel.
  • Cruz del Carmen – Chinamada – Las Carboneras – Cruz del Carmen (Rundweg): Eine der besten Touren, um Anagas Landschaften mit traditionellem Landleben zu verbinden. Vom kühlen, nebligen Lorbeerwald öffnet sich der Weg zu dramatischen Ausblicken auf Schluchten und den Atlantik. Höhepunkt ist Chinamada, ein kleiner Weiler, berühmt für seine Höhlenhäuser (casas cueva), die noch heute bewohnt werden. Weiter geht es durch Las Carboneras, ein weiteres malerisches Dorf, bevor der Rundweg nach Cruz del Carmen zurückführt. Länge: 12 km, ca. 5 Stunden. Schwierigkeit: mittel.
  • Wanderung zum Roque Taborno: Der Roque Taborno, oft als „Matterhorn Teneriffas“ bezeichnet, gehört zu den ikonischsten Gipfeln Anagas. Der Aufstieg beginnt im Dorf Taborno und belohnt schon früh mit überwältigenden Panoramen aus Bergen, Schluchten und endlosem Ozean. Relativ kurz, aber steil und fordernd. Länge: 4 km, 1,5–2,5 Stunden. Schwierigkeit: mittel bis anspruchsvoll.
  • Chamorga – Casas de Tafada – Faro de Anaga – Chamorga: Ein echtes Abenteuer für alle, die Abgeschiedenheit und spektakuläre Blicke auf die wilde Nordküste Teneriffas suchen. Ausgangspunkt ist das abgelegene Dorf Chamorga. Der Weg steigt an traditionellen Feldern und den verlassenen Casas de Tafada vorbei und führt über einen Grat zum Leuchtturm Faro de Anaga, am östlichsten Punkt der Insel. Von hier reicht der Atlantik scheinbar endlos bis zum Horizont. Der Rückweg folgt dem rauen Barranco de Roque Bermejo, einer schattenarmen Schlucht. Länge: 8 km, ca. 4 Stunden. Schwierigkeit: anspruchsvoll.

Verstecktes Juwel: El Pijaral – der verzauberte Wald

Unter all den Naturwundern Anagas ragt eines besonders hervor – der Bosque Encantado (El Pijaral, „Verzauberter Wald“)​. Hier sind uralte Lorbeerbäume von Moosen, Lianen und Farnen überzogen und schaffen eine traumhafte, fast surreale Szenerie.

Warum er so besonders ist und wie man ihn besucht:

El Pijaral ist ein streng geschütztes Gebiet aufgrund seines empfindlichen Ökosystems. Der Zugang ist auf rund 45 Besucher pro Tag begrenzt, eine Sondergenehmigung ist Pflicht.

  • Genehmigung: Kostenlos, muss jedoch online im Voraus gebucht werden – besonders in der Hochsaison. Sie erhalten eine Bestätigung, die Sie aufbewahren und im Falle einer Kontrolle vorzeigen sollten. Buchung über die Plattform Tenerife ON (Genehmigung für El Pijaral).
  • Lage: Der Wanderweg startet am Parkplatz El Pijaral an der Straße TF-12.
  • Was Sie erwartet: Die Route selbst ist nicht besonders anspruchsvoll – ihre Magie liegt in der Atmosphäre: Baumtunnel, dichte Moosteppiche und Nebelschwaden, die so tief herabziehen, dass man mitten hindurchwandert.

Ein Besuch in El Pijaral – dem verzauberten Wald – erfordert etwas Vorbereitung, belohnt jedoch mit einem der unvergesslichsten Wandererlebnisse Teneriffas – einer echten Reise in die lebendige Urgeschichte.

Die schönsten Aussichtspunkte im Anaga: Atemberaubende Panoramen

Anaga ist berühmt für seine Miradores (Aussichtspunkte), die einige der spektakulärsten Ausblicke auf Teneriffa bieten.

  • Mirador de Jardina: An der Straße Richtung Cruz del Carmen gelegen, eröffnet dieser Aussichtspunkt einen weiten Blick über das Aguere-Tal, La Laguna und Santa Cruz.
  • Mirador Cruz del Carmen: Oft als zentraler Ausgangspunkt für den Besuch des Anaga-Landschaftsparks betrachtet, liegt dieser Mirador direkt neben dem Besucherzentrum, dem Parkplatz und dem Start des Sendero de los Sentidos. Von hier aus überblickt man die grünen Flächen des uralten Lorbeerwaldes von Anaga. Häufig zieht Nebel auf und schafft eine mystische, fast märchenhafte Stimmung, wenn die Wolken zwischen den Baumwipfeln treiben. An klaren Tagen reicht die Sicht bis nach La Laguna, Santa Cruz und sogar zum Atlantik am Horizont.
  • Mirador Pico del Inglés: Einer der ikonischsten Aussichtspunkte Anagas, unweit des Besucherzentrums. Er bietet ein außergewöhnliches Panorama in beide Richtungen: nach Norden auf die schroffe Küste mit Klippen und Lorbeerwald, nach Süden auf Santa Cruz und – bei klarer Sicht – den Teide. Es ist oft windig hier, aber die dramatische Landschaft macht diesen Ort zu einem Muss für Fotografen.
  • Camino Viejo al Pico del Inglés: Kein klassischer Aussichtspunkt, sondern eine einzigartige, in den Fels geschlagene Tunnelstraße, die durch dichten Lorbeerwald führt. Mit wenig Licht, kühler, feuchter Luft und moosbewachsenen Wänden fühlt es sich an, als trete man in eine andere Welt. Ein stimmungsvoller Ort für einen kurzen Spaziergang oder außergewöhnliche Fotos.
  • Mirador de El Bailadero und Mirador Risco Amogoje: Diese nahe beieinanderliegenden Aussichtspunkte blicken auf die weitläufige Nordostküste Anagas, wo Bergketten und Schluchten zum Atlantik hinabfallen. Die weiten Panoramen zeigen die wilde, unberührte Schönheit der Landschaft – perfekt für Weitwinkel-Fotografie.
  • Mirador Roque de Taborno: Am Ende des Roque-Taborno-Wanderwegs gelegen, belohnt dieser Aussichtspunkt Wanderer mit dramatischen Blicken auf die zerklüftete Küstenlinie Anagas, wo steile Klippen direkt in den Atlantik stürzen. Einer der fotogensten Orte, um die rohe Vulkanlandschaft und die gezackte Küste in ihrer ganzen Länge zu erleben.

Wilde Strände im Anaga: Abgeschiedenheit am Ozean

Strand Benijo mit schwarzem Sand, Wellen und Felsnadeln in Anaga, Teneriffa
Playa de Benijo an der nordöstlichen Küste Teneriffas, mit den Roques de Anaga und atlantischer Brandung

Obwohl der Anaga vor allem für seine Wälder und Berge bekannt ist, verbergen sich in der Region auch mehrere wilde, abgeschiedene Strände, die oft ein kleines Abenteuer erfordern, um sie zu erreichen.

  • Playa de Benijo: Einer der meistfotografierten Strände Teneriffas, berühmt für seinen schwarzen Vulkansand und die markanten Felsen (Roques), die aus dem Atlantik ragen. Der Zugang erfolgt über eine kurvenreiche Bergstraße und anschließend einen steilen Fußweg – die Belohnung ist jedoch eine außerirdisch wirkende Küstenlandschaft, besonders eindrucksvoll bei Sonnenuntergang.
  • Playa de Almáciga: Direkt neben Benijo gelegen, ist dieser Strand vor allem bei Surfern beliebt, da hier fast immer zuverlässige Wellen brechen. Er verbindet die wilde Schönheit der Anaga-Küste mit einer etwas leichteren Erreichbarkeit und ist daher eine gute Wahl für alle, die sowohl Abenteuer als auch Entspannung suchen.

👉 Entdecken Sie Teneriffas Küste in unserem Guide: Top-20-Strände auf Teneriffa (mit Fotos & Karte).

Anaga besuchen: Anreise & Möglichkeiten

Ein Besuch im Anaga-Landschaftspark ist komplett kostenlos – es gibt keine Eintrittsgebühr, und Sie können die Wanderwege und Aussichtspunkte in Ihrem eigenen Tempo erkunden.

Mit dem Auto: Maximale Freiheit


Am einfachsten und flexibelsten erreichen Sie den Anaga mit einem Mietwagen. Die Straßen sind gut gepflegt, jedoch kurvig und oft schmal – fahren Sie daher vorsichtig. Ab Santa Cruz de Tenerife oder La Laguna folgen Sie den Schildern Richtung Cruz del Carmen. Parkplätze sind vorhanden, können in der Hochsaison aber schnell voll sein.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: TITSA-Busse

Sie können den Anaga auch mit dem Bus (guagua) des lokalen Betreibers TITSA erreichen.

  • Linie 275: von La Laguna nach Cruz del Carmen, Chinamada und Taborno.
  • Linie 946: verbindet Santa Cruz mit Taganana und seinen Stränden wie Playa de Benijo und Playa de Almáciga.

Eine gute Option, wenn Sie das Fahren auf Bergstraßen vermeiden möchten. Wie Sie Busse und Straßenbahn auf Teneriffa nutzen – Fahrpläne prüfen, Tickets kaufen und bezahlen – erklären wir in unserem Guide zum öffentlichen Nahverkehr.

Organisierte Touren: Stressfreies Erkunden

Wenn Sie die Organisation lieber anderen überlassen, stehen zahlreiche geführte Touren in den Anaga zur Verfügung:

  • Geführte Wanderungen: Ein professioneller Guide begleitet Sie auf den schönsten Wegen und vermittelt spannende Einblicke in Flora, Fauna und Geologie des Parks.
  • Busrundfahrten: Sightseeing-Touren zu den wichtigsten Aussichtspunkten und malerischen Dörfern.
  • Kombinierte Touren: Manche Ausflüge verbinden den Anaga mit weiteren Highlights Teneriffas wie Santa Cruz oder La Laguna.

Die Preise variieren je nach Dauer, enthaltenen Leistungen und Gruppengröße, beginnen aber in der Regel bei 40–60 € pro Person für einen ganztägigen Ausflug. Verfügbare Touren können Sie direkt online über unseren Partner GetYourGuide durchsuchen, Beschreibungen, Bewertungen und aktuelle Preise einsehen und bequem buchen.

Wichtige Tipps vor Ihrem Besuch

  • Wetter: Im Anaga wechselt das Wetter schnell. Während es an der Küste sonnig sein kann, sind die Berge oft kühl, neblig und feucht. Nehmen Sie eine leichte Jacke oder Regenbekleidung mit.
  • Schuhe: Stabiles Schuhwerk ist für die Wanderwege unerlässlich.
  • Essen & Trinken: Bringen Sie Wasser und Snacks mit, besonders bei längeren Wanderungen. In den Dörfern gibt es kleine Cafés und Restaurants, diese liegen jedoch weit auseinander.
  • Sonnenschutz: Auch an bewölkten Tagen kann die Sonne stark sein. Sonnenschutzmittel und Hut nicht vergessen.
  • Natur respektieren: Der Anaga ist ein UNESCO-Biosphärenreservat. Bleiben Sie auf den markierten Wegen, nehmen Sie Ihren Müll mit und stören Sie keine Tiere.

Anaga: Ein Erlebnis, das bleibt

Der Anaga-Park ist mehr als eine Liste von Sehenswürdigkeiten – er ist eine eigene Welt, die entdeckt werden will. Ob allein, mit Familie oder mit Freunden: die mystischen Lorbeerwälder, weiten Panoramen und wilden Atlantikstrände schaffen Erinnerungen, die bleiben.

Diese einzigartige Ecke Teneriffas bietet nicht nur Ausblicke, sondern auch Abenteuer, die Möglichkeit, sich wieder mit der Natur zu verbinden, und ein seltenes Gefühl der Ruhe. Verpassen Sie nicht die Gelegenheit, den Anaga mit eigenen Augen zu sehen – es wird eine Reise, die Sie lange nach Ihrem Aufenthalt auf der Insel im Herzen tragen.

👉 Der Anaga zeigt die wilde Seite Teneriffas – entdecken Sie weitere Highlights in unserem sorgfältig kuratierten Guide zu den Sehenswürdigkeiten auf Teneriffa. Für eine größere Vielfalt an Erlebnissen werfen Sie einen Blick in unseren Guide zu den Aktivitäten auf Teneriffa.

Entdecke mehr von Triptionary

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen